Vom Motorradpolizisten zum Fahrtechniktrainer

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Seit rund 20 Jahren spielen Motorräder für Jürgen Reich eine besondere Rolle in seinem Leben. Wir haben uns mit dem ehemaligen Motorradpolizisten und jetzigen Motorradtrainer getroffen.

„2005 habe ich zur Motorradpolizei gewechselt und bin hauptsächlich mit dem Zivilmotorrad unterwegs gewesen. Nebenbei habe ich schon damals versucht mich mit dem Thema Fahrtechnik auseinanderzusetzen und hatte auch im Rahmen der Polizei die Möglichkeit gefunden.“ Die Polizei bildet selbst ihre Fahrer aus und trainiert diese. Jürgen hatte aber schnell erkannt, dass er noch mehr in diesem Bereich lernen und tun möchte und begann mit Ausbildungen im Fahrtechnikzentrum Fohnsdorf des ÖAMTC, bei Gustl Auinger. Im ÖAMTC hat er dann seine zweite berufliche Heimat gefunden und arbeitet nebenbei als Fahrtechniktrainer in Lebring, nahe seines Wohnortes.

Als der alte Österreich-Ring von Red Bull und Dietrich Mateschitz wiederbelebt wurde, war auch ein Fahrtechnikcenter geplant, für welches Bernhard Auinger (Sohn von Gustl Auinger) zuständig ist. Beim Aufbau des Trainigcenters ist Auinger dann auf Jürgen Reich zugekommen und fragte ihn ob er nicht Interesse hätte bei ihm zu arbeiten. Nach kurzer Überlegung ist dann seine Entscheidung gefallen und Jürgen tauschte die ÖAMTC-Jacke gegen den Rennanzug von Red Bull. Seither gibt er im „Drivingcenter“ sowie auf dem Ring, Trainings und Kurse für Einsteiger und ambitionierte Straßenfahrer, egal ob mit dem eigenen Bike oder eines aus dem großen Fuhrpark von Red Bull.

Des Weiteren macht Jürgen auch eigene Trainings am Panonia-Ring. „Ich mache aber keine Renntrainings. Bei meinen Trainings geht es darum, sich im sicheren Umfeld mit seinem oder einem geliehenen Bike an die Grenzen heranzutasten.“ Der große Vorteil an diesen Trainings, welche zum Teil auch mittels Videounterstützung ablaufen ist, dass diese außerhalb von großen Ringveranstaltungen stattfinden. Das bedeutet, dass an diesen Trainingstagen ca. 20 Biker auf dem Ring unterwegs sind. Motorradfahrer mit Ringerfahrung wissen, das ist nicht viel.

Obwohl diese Arbeit schon viel Zeit in Anspruch nimmt trainiert Jürgen mittlerweile die österreichische Polizei, egal ob im Auto oder auf dem Motorrad. Im Außendienst selbst ist er aber seit ein paar Jahren nicht mehr. Hier gab es einige Entwicklungen, welche nicht mit seinen Vorstellungen von Verkehrserziehung und Bewusstseinsbildung zu tun haben.

Natürlich haben wir gefragt wie kann man sicherer werden und was sind die größten Defizite bei Motorradfahrern? Als Trainer, der das ganze Jahr oder zumindest die ganze Saison mit fremden Bikern zu tun hat und der langjährigen Erfahrung als Motorradpolizist, kann er uns sicher einige Gesichtspunkte aufzählen.

 

  • Blick wie durch ein Weitwinkelobjektiv
    als weitsichtiges und vorausschauendes Fahren, frühes Reagieren auf mögliche. Gefahren und nicht erst wenn die Situation bereits zur Gefahr wurde.
  • Angepasste Geschwindigkeit
    das hat nicht mit der zulässigen Geschwindigkeit zu tun. Es gibt Kurven in denen gesetzlich 100 kmh erlaubt sind, die aber eventuell nur 60 kmh vertragen.
  • Korrekte Selbsteinschätzung
    eines der größten Probleme auf unseren Straßen.
  • Technischer Zustand seines Bikes
    vor allem Bremsen und Reifen spielen hierbei eine große Rolle und diese werden leider zu selten von den Fahrern selbst überprüft.
  • Wahl der eigenen Fahrlinie
    rechtes Drittel bis max. Mitte des eigenen Fahrstreifens, nicht die Ideallinie, die brauchen wir am Ring. Da haben wir auch keinen Gegenverkehr,
  • Fahrpraxis, Fahrpraxis, Fahrpraxis

Eine Frage, die wir dem Polizisten natürlich noch gestellt haben ist, wie werden die Positionen für Radarkontrollen und Strecken für Zivilkontrollen gewählt?

„Das ist so, es gibt einen sogenannten Monatseinsatzplan. Dieser gibt vor wann in welchem Bezirk, von wie vielen Polizisten Kontrollen durchgeführt werden müssen. Die genaue Position wird dann aber vom jeweiligen Polizisten selbst gewählt.“
Da leider die Statistik immer wichtiger wird, wird auch immer seltener das Gespräch gesucht und dadurch sehr schnell das Organmandat ausgestellt.

Das bringt uns auch schon zu unserer letzten Frage, um uns dafür eine Antwort liefern zu können hat Jürgen sogar eine Umfrage im Namen von kurfenfahrer.at innerhalb der Polizei gestartet.

Warum grüßen einige Motorradpolizisten auf Blaulichtbikes nicht zurück?
Laut eigenen Angaben sagen 80% von sich, dass sie grüßen. Die restlichen stellen die „Amtsperson“ über sich selbst, diese Kollegen sind zumeist privat keine Biker.

 

Wer gerne mehr an seinem Fahrkönnen arbeiten möchte hat die Möglichkeit bei Jürgen das eine oder andere Training zu buchen. Unter Fahrtechnik.cc oder direkt bei Projekt Spielberg.

Fotos: Jürgen Reich, fahrtechnik.cc, kurvenfahrer.at

Ride Safe, euer kurvenfahrer.at Team

Ein Gedanke zu „Vom Motorradpolizisten zum Fahrtechniktrainer

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